Rechenstörung & Dyskalkulie

Was ist das 
eigentlich?

Bereits Babys können unterscheiden, ob eine bestimmte Menge klein oder groß ist, weshalb davon ausgegangen wird, dass ein gewisses Mengenverständnis angeboren ist. Dennoch gibt es einige Kinder, bei denen sich die Entwicklung mathematischer Fähigkeiten deutlich schwieriger gestaltet, als bei Ihren Mitschüler*innen.

Diese Kinder haben möglicherweise eine sogenannte Dyskalkulie - eine Rechenstörung, bei der grundlegende mathematische Konzepte nur schwer verstanden und angewendet werden können. Trotz normaler Intelligenz und fleißigem Üben fällt ihnen das Zählen schwer und Zahlen bleiben leere und bedeutungslose Symbole.

Die komplexen Ursachen der Dyskalkulie sind bis heute noch nicht vollständig erforscht. Es wird angenommen, dass es mehrere Faktoren gibt, die die Rechenfähigkeiten einer Person beeinflussen. Dazu zählen vor allem genetische, neurowissenschaftliche und kognitive Faktoren. Die "Schuld" für eine Dyskalkulie ist also niemals bei dem Kind oder seinen Eltern zu suchen. Eine Rechenstörung entsteht nicht, weil ein Kind sich beim Lernen nicht genug anstrengt oder die Eltern zu wenig unterstützen!

Der Begriff der Rechenstörung ist gleichbedeutend mit dem Begriff Dyskalkulie (griechisch: dys = schlecht; lateinisch: calculus = Rechnung). An einigen Stellen wird zwischen einer deutlichen Rechenstörung und der weniger ausgeprägten Rechenschwäche unterschieden. Die Grundlage für diese Unterscheidung ist jedoch nicht einheitlich, sodass es hier leicht zu Missverständnissen kommen kann - besonders im alltäglichen Sprachgebrauch.

Die Angaben zum Vorkommen der Dyskalkulie schwanken je nach Begriffsdefinition zwischen 3 und 7 Prozent. Mädchen sind im Verhältnis 3:2 etwas häufiger betroffen als Jungen.

Definition der 
Weltgesundheitsorganisation:

Nach dem internationalen Klassifikationsschema ICD-10 der Weltgesundheitsorganisation (WHO) stellt die Dyskalkulie/Rechenstörung eine umschriebene Entwicklungsstörung schulischer Fertigkeiten dar. Sie liegt vor, wenn die Rechenleistung eines Kindes eindeutig unterhalb des Niveaus liegt, welches aufgrund seines Alters (und der Schulklasse) zu erwarten wäre und diese Beeinträchtigungen NICHT auf folgende Kriterien zurückgeführt werden können:

  • Unterdurchschnittliche Intelligenz
  • unangemessene Beschulung
  • defizitäre Sinneswahrnehmungen
  • psychiatrische Erkrankung
  • neurologische Erkrankung

Zur Diagnose muss eine deutliche Diskrepanz zwischen den Leistungen im Bereich Mathematik und der generellen Begabung (IQ) eines Kindes vorliegen.

Woran erkenne ich, ob mein Kind eine Dyskalkulie hat?

Laien können nicht eindeutig feststellen, ob bei einem Kind eine Dyskalkulie vorliegt. Es gibt aber einige Anzeichen, die auf eine solche Störung hindeuten können. Sollte Ihr Kind nach diesem Anzeichenkatalog auffällig sein, kann eine professionelle Fachdiagnostik Klarheit verschaffen und den Weg für die richtige Unterstützung, Entlastund und Förderung ebnen. 


Anzeichen für eine Dyskalkulie nach dem LVL-BW bzw. Jacobs & Petermann:

Fehlendes Verständnis für Größen und Mengen:

  • Zahlen und Ziffern kann keine Menge zugeordnet werden. Sie sind sinnentleerte Symbole.
  • Abschätzen von Größen und Mengen gelingt nicht.
  • Überschlagen von Rechnungen gelingt nicht.
  • Falsche Rechenergebnisse werden nicht erkannt.
  • Schwierigkeiten zwischen verschiedenen Darstellungsformen hin und her zu wechseln (Handlung - Bild - Sprache - Symbol/Ziffer)

 

Zählfehler:

  • Abzählen von Gegenständen gelingt nicht.
  • Beim Vorwärtszählen werden Zahlen übersprungen.
  • Beim Rückwärtszählen wird ins Vorwärtszählen gewechselt, Einer und Zehner werden ausgelassen.
  • Zählen in größeren Schritten misslingt.

 

Rechenfehler:

  • Jede Aufgabe wird als neues Zählproblem gelöst (oft mit den Fingern). Rechenfehler um +1/-1 sind daher besonders häufig.
  • Minus-Aufgaben fallen besonders schwer
  • Transferleistungen sind nicht möglich (3+4 = 7, 23+4= 27)
  • Der Zehnerübergang fällt schwer
  • Gliederungsmöglichkeiten im Zahlenbereich bis 10 sind nicht automatisiert (Verliebte Zahlen)
  • Verwechseln von Rechenzeichen und Rechenoperationen (+/- und x/:)
  • Fehler im Umgang mit der Null
  • Lange geübtes wird wieder vergessen
  • Einmaleins wird u.U. auswendig beherrscht, allerdings ohne Verständnis
  • Umgang  mit Größen fällt schwer (Uhrzeit, Geld, Längen ...)
  • Textaufgaben sind nur schwer verständlich und können nicht in Rechnungen übertragen werden.

 

Fehlendes Verständnis für die Stellenwerte & die Dezimalstruktur

  • Es bleibt unverstanden, dass die Ziffer 7 in den Zahlen 27, 76 und 754 verschiedene Bedeutungen hat
  • Lautgetreues Schreiben oder lesen: 43 = "vierunddreißig"
  • Zahlendreher 

 

Psychosomatische Beschwerden

  • Bauchschmerzen
  • Kopfschmerzen
  • Ängstlichkeit
  • Vermeidung und Verweigerung (z.B. bei Mathehausaufgaben)

 

Heute weiß man, dass Lernstörungen oft nicht alleine auftreten und dass Diagnosen im Bereich der Neurodivergenz auffällig häufig in Kombination vorkommen. Nicht selten ist eine Dyskalkulie daher mit einer LRS oder auch ADHS gekoppelt. 

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